Amazon erweitert seine Logistikstrategie deutlich über den eigenen Marktplatz hinaus. Mit „Amazon Supply Chain Services“ öffnet der Konzern zentrale Teile seines Transport-, Lager- und Versandnetzwerks für externe Unternehmen. Das Angebot richtet sich nicht nur an Händler, sondern auch an Hersteller und Unternehmen aus Bereichen wie Industrie, Gesundheitswesen oder Automotive.

ASCS umfasst internationale Frachtlogistik, Lagerung, Fulfillment und Paketversand. Unternehmen sollen damit Lieferketten über Amazons Infrastruktur organisieren können, ohne ihre Produkte zwingend über Amazon selbst verkaufen zu müssen. Zu den ersten genannten Kunden gehören Procter & Gamble, 3M, Lands’ End und American Eagle Outfitters.
Amazon öffnet seine Infrastruktur
Amazon positioniert das Angebot als internationales System, auch wenn der operative Schwerpunkt zunächst stark auf dem US-Markt liegen dürfte. Dort verfügt der Konzern inzwischen über eines der dichtesten privaten Liefer- und Zustellnetze weltweit. Viele Bausteine der Infrastruktur existieren allerdings bereits seit Jahren international, etwa über Fulfillment by Amazon (FBA) oder Multi-Channel-Fulfillment-Angebote in Europa und anderen Märkten.
Die Entwicklung knüpft direkt an Amazons jüngste Strategie im Bereich externer Händler-Shops an. Bereits im März berichtete GFM Nachrichten über ein Pilotprojekt, bei dem Prime-Vorteile direkt in unabhängige Online-Shops integriert werden. Händler behalten dabei ihren eigenen Checkout und Markenauftritt, während Amazon Versand und Logistik im Hintergrund übernimmt. Mit ASCS geht der Konzern nun deutlich weiter und adressiert nicht mehr nur die Zustellung, sondern große Teile der gesamten Lieferkette.
Mehr als nur Fulfillment
Amazon selbst zieht offen Parallelen zu Amazon Web Services (AWS). Wie einst im Cloud-Geschäft vermarktet das Unternehmen nun eine ursprünglich für den Eigenbedarf entwickelte Infrastruktur als externe Dienstleistung. Tatsächlich hat Amazon über Jahre ein weltweites Netzwerk aus Lagerhäusern, Luftfracht, Transportkapazitäten und Zustellservices aufgebaut, das bislang vor allem den eigenen Handel und Marketplace-Händler unterstützte.
Der Konzern verweist dabei auch auf die Erfahrungen aus seinem bestehenden Händlernetzwerk. Millionen Marketplace-Händler nutzen bereits Fulfillment by Amazon für Lagerung, Versand und Retouren. Amazon argumentiert, daraus sei ein integriertes System entstanden, das nun auch Unternehmen außerhalb des eigenen Marktplatzes offenstehen könne.
Für Handelsunternehmen entsteht dadurch ein neues Spannungsfeld. Einerseits verspricht Amazons Infrastruktur schnellere Lieferungen, geringere operative Komplexität und Zugang zu einem globalen Netzwerk. Andererseits wächst damit die Abhängigkeit von Amazons Systemen – selbst dann, wenn Händler ihre eigenen Shops und Markenauftritte behalten.
Die Entwicklung erhöht zugleich den Druck auf andere Anbieter von Handels- und Fulfillment-Infrastruktur. Plattformen wie Shopify, klassische Logistikdienstleister und spezialisierte Fulfillment-Anbieter konkurrieren zunehmend mit einem Unternehmen, das Transport, Lagerung, Zustellung und Verkaufsinfrastruktur aus einer Hand anbietet.
Damit verändert Amazon schrittweise seine Rolle im Onlinehandel. Der Konzern tritt nicht mehr nur als Marktplatz oder Händler auf, sondern positioniert sich zunehmend als logistischer und technischer Unterbau für externe Vertriebskanäle.
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